Projekte
Trauma im Familiensystem

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© maxim ibragimov/shutterstock.com, Agenturfoto mit Models gestellt
Ein Trauma betrifft selten nur den einzelnen Menschen – oft ist die gesamte Familie belastet. Das Projekt Trauma im Familiensystem – Versorgung geflüchteter und traumatisierter Patient:innen aus systemischer Perspektive stärkt traumatisierte geflüchtete Familien durch einen systemischen, familientherapeutischen Ansatz. Gemeinsam mit Kindern, Eltern und Fachkräften entwickeln wir nachhaltige Unterstützungsangebote, fördern gesellschaftliche Teilhabe und bauen Expertise für die langfristige Versorgung mehrfach belasteter Familiensysteme auf.
Wenn Menschen schweres Leid erfahren haben und infolge von Krieg, Flucht oder politischer Verfolgung psychisch erkranken, betrifft dies selten nur die einzelne Person. Häufig ist das gesamte Familiensystem von den Folgen der Traumatisierung belastet. Dies gilt insbesondere für geflüchtete Familien, die neben psychischen Belastungen oftmals auch mit komplexen sozialen, rechtlichen und transkulturellen Herausforderungen konfrontiert sind.
Innerhalb der psychosozialen Versorgung geflüchteter Menschen bestehen inzwischen vielfältige therapeutische Angebote für einzelne Familienmitglieder. Systemische und familientherapeutische Ansätze, die die gesamte Familie in den Blick nehmen und dabei Sprachmittlung, kulturelle Hintergründe sowie das Risiko einer transgenerationalen Weitergabe von Traumafolgen berücksichtigen, sind jedoch bislang kaum etabliert.
Diese Versorgungslücke möchte das Zentrum ÜBERLEBEN mit diesem Projekt gezielt angehen. Ziel ist es, einen nachhaltigen familientherapeutischen Ansatz aufzubauen und langfristig in der Versorgung zu verankern. Dafür wird die Expertise in der systemischen Familientherapie durch die qualifizierte Weiterbildung von Mitarbeitenden der ambulanten Abteilungen für Erwachsene sowie für Kinder und Jugendliche kontinuierlich ausgebaut. Die enge Zusammenarbeit der Einzeltherapeut:innen im Kontakt mit den Familien ermöglicht es, unterschiedliche fachliche Perspektiven zusammenzuführen und das gesamte Familiensystem integrativ zu begleiten.
Ein besonderer Schwerpunkt des Projekts liegt darauf, traumatisierte geflüchtete Kinder, Jugendliche und Erwachsene in ihrem Genesungsprozess gezielt durch die Einbindung ihres familiären Umfelds zu unterstützen. Indem Ressourcen innerhalb der Familie gestärkt und belastende Beziehungsmuster gemeinsam bearbeitet werden, können individuelle Genesungsprozesse nachhaltig gefördert werden.
Darüber hinaus richtet sich das Projekt insbesondere an Familien, in denen sowohl Eltern als auch Kinder von psychischen Erkrankungen betroffen sind. Durch den systemischen Ansatz sollen nicht nur individuelle Symptome behandelt, sondern auch die Auswirkungen der Erkrankungen auf das familiäre Zusammenleben berücksichtigt werden. Auf diese Weise soll die gesellschaftliche Teilhabe mehrfach belasteter Familien gestärkt und ihre langfristige Stabilisierung unterstützt werden.
Im Verlauf des Projekts wird der integrierte psychotherapeutisch-sozialarbeiterische Ansatz kontinuierlich weiterentwickelt und wissenschaftlich begleitet. Durch die abteilungsübergreifende Arbeit mit dem Familiensystem als Ganzem werden neue Erfahrungen in familientherapeutischen Settings gesammelt, bestehende dysfunktionale Muster erkannt und gemeinsam mit den Familien ressourcenorientiert verändert. Ziel ist es, Belastungen innerhalb der Familie zu reduzieren, Symptomverschlechterungen bei Angehörigen vorzubeugen und die Resilienz des gesamten Familiensystems zu stärken.
Ein weiterer wichtiger Baustein des Projekts ist der Wissenstransfer. Aufbauend auf den gewonnenen Erfahrungen werden Fortbildungsangebote entwickelt und umgesetzt – sowohl als Inhouse-Schulungen für Mitarbeitende des Zentrum ÜBERLEBEN als auch für externe Fachkräfte, die in ihrer beruflichen Praxis mit mehrfach traumatisierten Familiensystemen arbeiten. Auf diese Weise soll die im Projekt entwickelte Expertise nachhaltig verbreitet und die Versorgung traumatisierter Familien auch über das Zentrum ÜBERLEBEN hinaus verbessert werden.
Wir verstehen dieses Projekt als einen ersten wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer dauerhaft verankerten familientherapeutischen Versorgung im Zentrum ÜBERLEBEN.
Laufzeit und Förderung
01.07.2026 – 30.06.2028
Das Projekt „Trauma im Familiensystem" wird gefördert von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.

Infomaterial
Weitere Flyer der ambulanten Abteilungen in verschiedenen Sprachen finden Sie hier.

Flyer der Ambulanten Abteilung für Erwachsene (Deutsch)
