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Wer wir sind

Schirmherrschaft

Seit 2014 ist Claudia Roth, Vizepräsidentin des 18. Deutschen Bundestags und langjährige Menschenrechtsexpertin, die Schirmfrau des bzfo und seit 2016 der Zentrum ÜBERLEBEN gGmbH*. Im Interview begründet sie ihr Engagement für das bzfo/ZÜ und formuliert konkrete Ziele und Anliegen ihrer Schirmherrschaft.

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Claudia Roth | Foto: J. Konrad Schmidt

Frau Roth, Sie engagieren sich seit langem für die Rechte und den Schutz von Minderheiten, für eine offene und solidarische Gesellschaft  – und auch ganz konkret für das bzfo (heute Zentrum ÜBERLEBEN). Wie sind Sie auf die Arbeit des Zentrums aufmerksam geworden?

Die Arbeit des bzfo/ZÜ kenne ich bereits seit den 90er Jahren. Nach dem Umzug des Bundestages nach Berlin im Jahre 1999 hatte ich die Gelegenheit, das bzfo/ZÜ in meiner Funktion als erste Vorsitzende des neu gegründeten Bundestagsausschusses für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe zu besuchen. Der Menschenrechtsausschuss hat das bzfo/ZÜ und seine Arbeit sehr geschätzt und dessen Vertreter mehrmals zu Anhörungen und Fachgesprächen eingeladen. Auch außerhalb des parlamentarischen Betriebs hatte ich einige Male die Gelegenheit, mich über die Arbeit des bzfo/ZÜ  zu informieren und an einigen Podiumsdiskussionen teilzunehmen.Vor wenigen Jahren habe ich dann gemeinsam mit einem Abgeordnetenkollegen eine recht erfolgreiche Spendenaktion für das bzfo/ZÜ und seine Arbeit im Nordirak gestartet. Dabei ging es darum, den Opfern der Giftgasattacken des Saddam-Regimes zu helfen.
Aktuell möchte ich aber die wichtige Arbeit hervorheben, die das Kirkuk Center for Torture Victims, inzwischen umbenannt in Jiyan Foundation for Human Rights, im Nordirak als Partnerorganisation des bzfo/ZÜ leistet. Bei meinem letzten Besuch in diese Region habe ich mir ein Bild von der praktischen Arbeit des Zentrums machen können. Dabei traf ich auch den Leiter, Herrn Salah Ahmad, und seine engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ihr warmherziges und professionelles Engagement für die Menschen vor Ort haben mich sehr beeindruckt.
Ich hoffe derzeit inständig, dass die neuerliche Gewalteskalation im Irak die Arbeit der Jiyan Foundation nicht gefährdet. Wieder eine Perspektive für das eigene Leben zu entwickeln, dazu leistet die Jiyan Foundation für viele Menschen im Nordirak einen wichtigen Beitrag.

Was hat sie schließlich motiviert, die Schirmherrschaft zu übernehmen?

Es war für mich eine riesige Ehre, als ich gebeten wurde, die Schirmherrschaft für das bzfo/ZÜ zu übernehmen. Die Hilfe für und die Arbeit mit Menschen, die durch Folter, Gewalt und Flucht schwer traumatisiert sind, wird leider immer wichtiger, auch hier bei uns. Denn die Konflikte in unserer unmittelbaren Nachbarschaft nehmen stetig zu, und sie werden zum Teil immer brutaler, entgrenzter und hoffnungsloser, wie die regionale Krise um Syrien und ganz aktuell im Irak zeigt.
Dass es Menschen gibt, die hier professionelle Betreuung und konkreten Schutz leisten, ist unbedingt zu unterstützen. Mit meiner Schirmherrschaft für das bzfo/Zü hoffe ich, einen kleinen Beitrag für diese wichtige Arbeit leisten zu können.

Gibt es bereits erste Ziele, die Sie sich als Schirmherrin des bzfo/ZÜ gesteckt haben?

Mir ist es vor allem wichtig, dass wir die Opfer der Konflikte nicht vergessen. Dass wir einen Blick haben auf die Menschen, die von Gewalt, Folter und Flucht betroffen und davon gezeichnet sind, und dass wir zur Kenntnis nehmen, dass sich hinter jeder Schlagzeile über Flucht, Vertreibung und Kampfhandlungen die konkreten Schicksale von Menschen verbergen, die das gleiche Recht auf Würde und ein gutes Leben haben wie Du und ich.
Ich möchte mithelfen, diesen Menschen eine Stimme zu geben und ihnen durch die Unterstützung der Arbeit des bzfo/ZÜ Hoffnung auf Frieden und ein erfülltes Leben zu ermöglichen. Ich hoffe, mit meiner Unterstützung Aufmerksamkeit für die Arbeit des bzfo/ZÜ zu erreichen und damit auch die leider oft vorhandene Ignoranz in unserer westlichen Komfortzone für das Leid vieler Flüchtlinge zu brechen.

Die Situation traumatisierter Flüchtlinge und Folteropfer wird im Hinblick auf aktuelle Konflikte immer wieder diskutiert, meist jedoch ohne wesentliche Verbesserungen für die Betroffenen. Worin besteht Ihrer Meinung nach unsere gesellschaftliche Verantwortung?

Zunächst vor allem darin, dieses Leid überhaupt erst einmal anzuerkennen. Ganz oft werden das Leid und auch die psychischen Folgen der schlimmen Erlebnisse von Flüchtlingen gar nicht beachtet. Stattdessen wird Flüchtlingen sogar unterstellt, sie wollten sich etwa Sozialleistungen erschleichen.
Flüchtlinge nicht als Menschen zweiter Klasse zu sehen, sondern ihre besondere Schutzwürdigkeit anzuerkennen und ihnen volle Lebenschancen zu ermöglichen, ist unsere humanitäre Pflicht als Gesellschaft.

Liebe Frau Roth, herzlichen Dank für Ihr langjähriges Engagement und die Übernahme der Schirmherrschaft!

*Seit dem Jahr 2016 wird die operative Tätigkeit des bzfo e.V. in der Zentrum ÜBERLEBEN gGmbH (ZÜ) fortgeführt.