Heilung beginnt mit Schutz

Unsere iranischen Klient:innen

März 2026

Wir bewundern den Mut der Bevölkerung im Iran in ihrem Einsatz für Gerechtigkeit, und gleichzeitig blicken wir voller Sorge auf die Geschehnisse der letzten Monate und die aktuelle militärische Eskalation. Die Zukunft des Landes ist so ungewiss wie nie und die Angriffe treffen eine Bevölkerung, die bereits durch jahrelange Repression gezeichnet ist: Tausende Menschen wurden in ihrem Kampf um Freiheit und Menschenrechte brutal ermordet, unzählige Aktivist:innen inhaftiert. Was sie in der Gefangenschaft erwartet, wissen unsere iranischen Klient:innen nur zu gut zu berichten. Das Regime der Islamischen Republik Iran scheute in der Vergangenheit nicht davor zurück, extreme Gewalt- und Foltermethoden gegen ihre Kritiker:innen anzuwenden. Mit fatalen Folgen für die Menschen.

Folter kann zu einer Vielzahl von schwerwiegenden körperlichen und seelischen Traumata führen. Die physischen Folgen reichen von zum Teil bleibenden Verletzungen an Knochen, Gelenken und Organen, über Brandwunden, Narben und Hirnschädigungen bis hin zu den Folgen von Mangelernährung. Zudem leiden die Menschen oft unter Ängsten, Schlafstörungen und depressiven Verstimmungen. Einige durchleben sogar ihre Foltererfahrung immer wieder und entwickeln dadurch suizidale Gedanken“, erklärt Luciana Degano Kieser, Fachärztin für Psychiatrie im Zentrum ÜBERLEBEN.

Die Betroffenen sind durch die gewaltsamen Übergriffe ihrer Peiniger in ihrem gesamten Welt- und Menschenbild zutiefst erschüttert. Sich davon zu erholen, wieder Mut und Vertrauen zu schöpfen, erfordert unfassbar viel Kraft und eine behutsame Begleitung. Mit Hilfe Ihrer Spenden schaffen wir den sicheren Raum, den es braucht, diese Gefühle und Ängste aufzufangen und wieder zu innerer Balance zu gelangen.

Menschen aus dem Iran gehören in unserer Tagesklinik zu der größten Patient:innengruppe”, so Wail Diab, Co-Leitung der Tagesklinik* im Zentrum ÜBERLEBEN. „Iranische Gefängnisse sind auf schlimmste Weise darauf ausgelegt, die Insassen psychisch und körperlich zu quälen. Durch unsere traumafokussierte Therapie helfen wir den Menschen, solche furchtbaren Erlebnisse aufzuarbeiten. Dabei ist die Stabilisierungsphase in der Traumatherapie eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung. Das bedeutet, die Menschen befinden sich in einer sicheren Lebenslage, in der sie genug Halt haben, um sich mit etwas so Erschütterndem auseinanderzusetzen. Wenn dann aber die Medien voll sind mit Schreckensnachrichten über das Herkunftsland – in dem viele von ihnen noch Familie und Freund:innen haben – wirft sie das zurück in Angstzustände. Mit Kriseninterventionen versuchen wir, diese Ängste aufzufangen. Auch versuchen wir für Menschen da zu sein, die längst aus der Therapie entlassen wurden. Aktuell fragen viele unserer ehemaligen iranischen Patient:innen erneut nach Unterstützung an, weil sie sich in solchen Zeiten nach einem Ort sehnen, an dem sie sich gehört und verstanden fühlen. Es freut uns sehr, dass wir dieser Ort für sie sind.”

Nicht zuletzt die UN-Antifolterkonvention verpflichtet Deutschland dazu, Überlebenden von Folter adäquate Rehabilitationsmaßnahmen zu ermöglichen. Doch die dafür benötigten Strukturen werden fast ausschließlich durch Psychosoziale Zentren wie unser Zentrum ÜBERLEBEN und somit durch Ihr Engagement getragen.

* Die Tagesklinik im Zentrum ÜBERLEBEN wird in Kooperation mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité Berlin-Campus Mitte (CCM) betrieben.