Jahresbericht 2024/2025

Rassismus im Gesundheitswesen überwinden

18.3.2026

Menschen, denen es nicht gut geht, wenden sich für gewöhnlich mit Hoffnung auf Besserung an Gesundheitsinstitutionen. Doch was ist, wenn die Einrichtung, die dafür gemacht ist, dass es Menschen besser geht, das Gegenteil bewirkt, weil sich Menschen dort diskriminiert fühlen? Unsere Wissenschaftliche Abteilung hat gemeinsam mit unserer Berufsfachschule Paulo Freire ein Projekt gestartet, um sich diesem Thema zu widmen: „Transkulturelle Öffnung in der Pflege – Rassismus erkennen und überwinden“.

Etwa jede dritte Person, die einer von Rassismus betroffenen Gruppe angehört, hat die Erfahrung gemacht, dass ihre Beschwerden von Ärzt:innen nicht ernst genommen wurden. [1] Recherchen haben außerdem ergeben, dass rassistisch markierte Personen einen erschwerten Zugang zu gesundheitlichen Einrichtungen haben – etwa, wenn es darum geht, einen Termin bei Arzt- oder Psychotherapiepraxen zu erhalten.

Sabine Könninger, Projektkoordinatorin, möchte dieses zu wenig beachtete Problem mehr in den Vordergrund rücken.

Worum genau geht es im Projekt und wie soll damit Rassismus im Gesundheitswesen abgebaut oder sogar überwunden werden?

Wir fokussieren uns in dem Projekt auf die Ausbildung von Pflegekräften und wie man Ausbildungsangebote inhaltlich anpassen kann, um Diskriminierungserfahrungen vorzubeugen. Unserer Meinung nach bedeutet, an der Ausbildung anzusetzen, nachhaltig zum Abbau von Rassismus beizutragen. Wenn es gelingt, Strukturen zu etablieren, in denen man direkt die Auszubildenden für Diskriminierung im Gesundheitswesen sensibilisiert und sie rassismuskritisch in den Pflegeberuf einführt, gibt es ein großes Potenzial, nachhaltig etwas zu bewegen.

Wie ist der aktuelle Forschungsstand zum Thema Rassismus und Diskriminierung im Gesundheitswesen?

Es ist schon seit längerem bekannt, dass sich Rassismus und Diskriminierung negativ auf die Gesundheit von Menschen auswirken. In den letzten Jahren wurde darüber hinaus immer weiter aufgedeckt, wie häufig es zu Diskriminierung in gesundheitlichen Einrichtungen kommt. Dennoch sind weitere Erhebungen notwendig, um das Problem besser zu verstehen und Lösungsansätze in die Pflegeausbildung integrieren zu können. Aus diesem Grund werden wir im Rahmen des Projekts eine Erhebung in einer Pflegeschule durchführen. So können wir am besten verstehen, was es braucht, um das Problem an der Wurzel zu bekämpfen und langfristig durch angepasste Ausbildungsangebote und Workshops zu verändern.

Welche wissenschaftlichen Methoden wendet ihr an, um die Erhebungen durchzuführen?

Geplant sind mehrere Fokusgruppen, durch die wir den Ist-Zustand festhalten werden. Außerdem möchten wir Befragungen mit sämtlichen relevanten Akteur:innen durchführen. Also: Lehrkräften, Praxisanleitenden und Auszubildenden. Anschließend geht es dann an die Evaluation der Ergebnisse.

Bei diesem Projekt handelt es sich um eine abteilungsübergreifende Kooperation mit unserer Berufsfachschule Paulo Freire. Inwiefern ist die Schule im Projekt eingebunden?

Die Berufsfachschule hat von Anfang an bei der Projektentwicklung mitgewirkt. Die Zusammenarbeit ist für uns entscheidend, weil wir mithilfe unserer wissenschaftlichen Erhebungen konkrete Ratschläge herausarbeiten, die wir durch Handreichungen, Workshops und Weiterentwicklungen von Lernplattformen teilen. Hierzu wurde mit der E-Learning-Plattform „Vielfalt Pflegen“, die von der Berufsfachschule entwickelt wurde, eine Menge Vorarbeit geleistet. Mit den Erkenntnissen aus unseren Erhebungen können wir sehr gut daran anknüpfen. Letztlich werden Ausbildungspersonal und Auszubildende davon profitieren.

[1] DeZIM, NaDiRa-Bericht 2023: Bericht des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors

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