Jahresbericht 2024/2025
Eine Auszeit von den Gedankenspiralen
Juni 2026
Ein Ausflug zum Zoo, ein Kinobesuch oder ein Nachmittag im Museum – auf den ersten Blick können solche Aktivitäten wie etwas Alltägliches erscheinen. Für unsere Klient:innen sind das jedoch ganz besondere Augenblicke und seltene Gelegenheiten, ihrem Alltag und Belastungen, wie etwa sich drehenden Gedankenspiralen, für einen Moment zu entkommen.
„Wir beobachten immer wieder, dass Klient:innen, die von Traumfolgestörungen betroffen sind, durch die von uns angebotenen Ausflüge und Aktivitäten eine wichtige Abwechslung erleben. Sie melden häufig zurück, dass sie sich für einige Stunden von ihren Sorgen ablenken und wie in eine andere Welt abtauchen konnten“, berichtet Cornelia Bruckner, Sozialarbeiterin in der Ambulanz für Erwachsene.
Es handelt sich bei den freizeitlichen Gruppenangeboten um eine wichtige Ergänzung zu unserem Beratungs- und Therapieangebot in der BNS-Fachstelle und der Ambulanz für Erwachsene. Gerade Klient:innen der BNS-Fachstelle leben oft noch nicht besonders lange in Deutschland. Ihre prekären Lebensumstände verstärken bereits vorhandene Belastungen: Sie leben im Regelfall auf viel zu engem Raum in Geflüchtetenunterkünften, haben einen ungeklärten Aufenthaltsstatus und werden mit immensen bürokratischen Hürden konfrontiert.
Ein Baustein bei der Beratung und Behandlung von Menschen mit depressiven Symptomen ist der Aufbau von angenehmen Aktivitäten und einer schrittweisen Etablierung einer Tagesstruktur. Für unsere Klient:innen sind solche Möglichkeiten durch ihre Lebens- und Wohnsituation stark begrenzt. Mit den von uns organisierten Ausflügen, Freizeitaktivitäten oder auch wöchentlich stattfindenden Gruppenangeboten, wie einem Deutschkurs, haben unsere Klient:innen dafür einen geschützten Rahmen. Auf mögliche Ängste gehen wir vorab in Vorbereitungsgesprächen ein.
„Menschen, die Gewalt erfahren haben, können infolgedessen Schwierigkeiten bezüglich sozialer Interaktionen entwickeln, etwa anderen Menschen wieder zu vertrauen“, so Friederike Schwarzkopf, Psychologische Psychotherapeutin in der BNS-Fachstelle. „Ebenso haben auch die Familienangehörigen unserer Klient:innen traumatische Erfahrungen gemacht, sodass das gesamte Familiensystem häufig stark belastet ist. Wir versuchen, mit unserem Aktivitätenprogramm auch familienzentrierte Angebote zu schaffen, die es ermöglichen, positive gemeinsame Erfahrungen zu machen.“
Insgesamt sind Ausflüge eine niedrigschwellige Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, aufrechtzuerhalten und sich gegenseitig zu unterstützen. Ebenso können darauf aufbauend intensivere Gruppenprozesse eingeleitet werden. In den Beratungs- und Therapiegesprächen werden die Ausflüge auch im Sinne einer bewältigten Belastungserprobung nachbesprochen, was das Kontrollerleben und Selbstvertrauen stärkt.
Bei der Auswahl der Aktivitäten orientieren wir uns an den Bedarfen und Interessen unserer Klient:innen. So haben sie die Möglichkeit, an zurückliegende Ressourcen anzuknüpfen und neue zu entfalten. Letztendlich geht es auch darum, die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in Berlin zu stärken.
Das Projekt ‚Berliner Netzwerk für besonders schutzbedürftige geflüchtete Menschen (BNS) – Fachstelle für traumatisierte Geflüchtete und Überlebende schwerer Gewalt sowie Netzwerkkoordination (im ZÜ)‘ wird gefördert von der Beauftragten des Senats für Partizipation, Integration und Migration aus Mitteln der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung.
*Symbolbild, Credits im Bild