Jahresbericht 2025/2026

Kommunikation ist das A und O

28.05.2026

Ein Kommunikationstraining mit Teilnehmenden aus vielen verschiedenen Ländern zu leiten, kann sehr herausfordernd sein. Unsere ehrenamtliche Mitarbeiterin Antonia Vervaart hat darin mittlerweile jahrelange Übung. Seit fünf Jahren leitet sie das wöchentliche Deutsch-Kommunikationstraining für die Klientinnen im Wohnverbund für Migrantinnen.

Es handelt sich dabei um eines von vielen Angeboten, die wir den Frauen neben unserer sozialarbeiterischen, sozialpädagogischen sowie therapeutischen Begleitung zur Verfügung stellen. Im Gespräch beantwortet uns Antonia Vervaart einige Fragen dazu, worauf sie besonders viel Wert legt.

Wie ist in der Regel der Ablauf vom Kommunikationstraining, hast du eine bestimmte Vorgehensweise?

Natürlich mache ich mir vorher Gedanken darüber, was ich in dem nächsten Kurs behandeln möchte. Gleichzeitig ist es aber auch immer wieder eine Überraschung, wie die Sitzung ablaufen wird. Die meisten der Frauen haben psychische Erkrankungen, wie zum Beispiel eine posttraumatische Belastungsstörung. Das muss ich natürlich berücksichtigen und immer schauen, wie es ihnen an dem jeweiligen Tag geht und das Unterrichtstempo daran anpassen. Natürlich tröste ich sie auch, wenn sie mal traurig sind und Unterstützung brauchen. Flexibilität ist also insgesamt sehr wichtig.

Wie gehst du damit um, wenn du merkst, dass es einzelnen Frauen aufgrund ihrer Belastungen schwerer fällt, sich auf den Unterricht zu konzentrieren?

Mir ist es sehr wichtig, dass das Kommunikationstraining spielerisch ist, aber nicht kindisch. Diese Kombination hilft ganz oft, die Aufmerksamkeit von allen aufrechtzuerhalten. Die meisten können nur ein paar Worte Deutsch und kommen mit dem Training auf ein A1 Niveau. Natürlich ist es da sehr verlockend, sich als Kursleiterin viel vorzunehmen, um ihnen ganz viel mitzugeben. Dabei hilft es vielmehr, wenn man sich auf einen bestimmten Rahmen festlegt und das dafür intensiver macht. Wiederholen ist beim Lernen entscheidend und gibt den Teilnehmerinnen wichtige Erfolgserlebnisse.

Die Teilnehmerinnen haben in der Regel alle unterschiedliche Muttersprachen. Was machst du, um diese Sprachbarrieren zu überwinden?

Mit ein bisschen Kreativität findet man da immer Lösungen. Sei es, die Dinge mit Händen und Füßen zu erklären oder mit Bildern zu arbeiten, die ich ihnen zeige, woraufhin sie mir auf Deutsch sagen, was sie darauf sehen. Ich glaube, es hilft auch ganz viel, wenn man ein bisschen Heiterkeit in den Unterricht bringt. Über schöne Themen spricht, wie zum Beispiel Essen. Das ist etwas, womit man die Teilnehmerinnen immer gewinnen kann und sie dazu motiviert, sich zu trauen, auf Deutsch zu sprechen. Wenn der Spaß im Vordergrund steht, ist es viel einfacher, Hindernisse wie Sprachlücken zu überwinden.

Worauf legst du besonders viel Wert?

Wenn man in einem fremden Land ankommt, in dem man weder die Sprache kennt noch viele persönliche Bezugspersonen hat, kann es schnell einsam werden. Deswegen freue ich mich, wenn wir hier im Zentrum ÜBERLEBEN jede Woche zusammenkommen und sie eine Abwechslung vom Gefühl der Isolation haben. Wenn Gespräche entstehen, wir zusammen lachen und sie mit ihren Deutschkenntnissen ein Stück weit vorankommen. Das wahrscheinlich schönste Kompliment, was mir eine Kursteilnehmerin je gemacht hat, war, als sie meinte, wenn ich zuhause bin, muss ich oft wegen all meiner Sorgen weinen, aber wenn ich hier bei dir beim Kommunikationstraining sitze, bin ich immer am Lachen. Das hat mich unglaublich gefreut, dass sie zumindest hier ihre Sorgen für einen Moment vergessen konnte. Ich sage auch immer, bei mir sollt ihr einfach mal eine Stunde entspannt sein und auf andere Gedanken kommen. Das ist für mich das Wichtigste.

* Headerfoto: Symbolbild mit Model gestellt, Credits im Foto