Sprache die verbindet 

13.10.2026

Sprache schafft eine besondere Verbindung zwischen Menschen, sie birgt aber auch das Risiko, eine Barriere darzustellen und Zugänge zu erschweren. Hier den Spagat zu meistern, ist eine Herausforderung, die unsere Behandler:innen gemeinsam mit unseren spezialisierten Übersetzer:innen – wir nennen sie Sprach- und Kulturmittelnde (SKM) – angehen.  

Die Ambulante Abteilung für Erwachsene gehört zu den größten Abteilungen im Zentrum ÜBERLEBEN (ZÜ). Jährlich versorgen wir dort um die 320 geflüchtete Menschen, um sie dabei zu unterstützen, erlebte Traumata zu verarbeiten. Eine dieser Klient:innen ist Yasmin* aus dem Iran. Sie hat mit uns Eindrücke über ihre Zeit im ZÜ und die Besonderheiten unseres Therapie-Settings geteilt. Denn in unseren Behandlungszimmern finden sich immer drei Personen zusammen: eine therapeutische oder sozialarbeiterische Fachkraft, ein:e Sprach- und Kulturmittler:in sowie ein:e Klient:in. 

„Am Anfang war es ein bisschen komisch. Man ist neu und kennt niemanden und dann sind da gleich zwei Fremde im Raum, denen man sich anvertrauen soll“, erinnert sich Yasmin. „Aber nach zwei, drei Sitzungen habe ich angefangen, mich wohlzufühlen und langsam Vertrauen aufzubauen.“

Die Besonderheit an unseren Sprach- und Kulturmittelnden ist, dass sie nicht nur das gesprochene Wort übersetzen, sondern auch kulturelle Kontexte für die Behandler:innen verständlich machen. Wie etwa, wenn jemand in Vergleichen oder Bildern spricht, um eine Gefühlslage zu beschreiben. Denn je nach kulturellem Kontext kann es sehr unterschiedlich sein, womit verschiedene Symbole – z.B. Tiere, Objekte und Landschaften – in Verbindung gebracht werden. Hier helfen unsere Sprach- und Kulturmittelnde, Licht ins Dunkel zu bringen.  

„Es tut gut, wenn man frei in der eigenen Sprache reden kann und merkt, wie alles was man sagt, richtig übersetzt und verstanden wird. Das gibt mir viel Sicherheit“, bekräftigt Yasmin.

Diese Sicherheit zu schaffen und eine reibungslose Kommunikation zu ermöglichen, ist ein entscheidender Aspekt für eine erfolgreiche Therapie. Dennoch ist die Sprach- und Kulturmittlung immer wieder ein Grund zur finanziellen Sorge. Da sie nicht von Krankenkassen finanziert wird, sind wir hier dringend auf Fördermittel und Spenden angewiesen. Sonst könnte diese Säule für die Behandlung wegfallen, und damit die Grundlage, die eine psychotherapeutische und sozialarbeiterische Betreuung erst möglich macht. 

Für Yasmin hat sich in den zweieinhalb Jahren, die sie mittlerweile bei uns in Behandlung ist, schon einiges getan. Zusammen mit ihrem Mann und ihrer Katze hat sie eine eigene Wohnung. Dank unserer Gruppenangebote konnte sie sich außerdem mit anderen Klient:innen vernetzen und Freundschaften schließen. 

„Natürlich vermisse ich meine Familie im Iran und mache mir Sorgen um sie, wenn ich in den Nachrichten höre, was dort passiert. Aber mein Leben ist jetzt hier in Deutschland und ich möchte mich darauf konzentrieren und gucken, was ich machen kann, damit es mir hier gut geht. Das Zentrum ÜBERLEBEN hat mir dabei viel geholfen. Die neuen Menschen, die ich hier kennengelernt habe – sowohl die Fachkräfte als auch die anderen Klientinnen – sind für mich wie eine Familie geworden, die ich auf einem fremden Kontinent gefunden habe. Ich bin unglaublich dankbar für all diese Unterstützung, denn ohne sie wüsste ich nicht, wie mein Schicksal verlaufen wäre.“ 

*Der Schutz unserer Klient:innen ist uns wichtig. Deswegen arbeiten wir mit Anonymisierungen bei Persönlichkeitsdaten und Fotos.