Ein sicherer Ort für Kinder auf der Flucht

August 2026

Minderjährige Geflüchtete gehören zu den größten Leidtragenden der globalen Krisen. So auch Noura (anonymisiert), 14 Jahre alt: Sie kam allein aus Syrien nach Deutschland. Auf der Flucht hat sie Dinge erlebt, die kein Kind erleben sollte. Doch trotz ihres besonderen Schutzbedarfs gibt es für junge Menschen wie Noura in Deutschland keine ausreichenden Hilfsstrukturen.

„Noch vor drei Jahren sah die psychosoziale Versorgungslage für Kinder und Jugendliche ganz anders aus. Es gab deutlich mehr Hilfsstrukturen und geförderte Projekte in Berlin. Mittlerweile sind viele dieser Angebote weggefallen, weil die Gelder dafür gekürzt wurden. Nun droht uns im Zentrum ÜBERLEBEN dasselbe Schicksal – obwohl wir zu den wenigen Anlaufstellen gehören, die jungen geflüchteten Menschen noch bleiben”, erklärt Andreas Höll, Sozialarbeiter in unserer Ambulanten Abteilung für Kinder und Jugendliche.

Und auch die fortlaufenden Verschärfungen in der Asylgesetzgebung haben unsere Arbeitsbedingungen in den letzten Jahren zunehmend erschwert. Während wir früher viel mehr Zeit hatten, um einen sicheren Ort zu schaffen, in dem wir in Ruhe auf die Bedarfe der jungen Menschen eingehen konnten, geht es mittlerweile oft um Schnelligkeit. Der Druck in der Beratung steigt.

„Es wird sehr viel Druck auf das System ausgeübt, das kriegen wir auch in unserer täglichen Arbeit zu spüren. Die Menschen, die zu uns kommen, sind immer belasteter. Sie haben in ihrem Heimatland und auf der Flucht furchtbare Erlebnisse durchmachen müssen. Und statt in Deutschland endlich aufatmen zu können, droht den meisten hier eine Abschiebung. Leider geht dadurch viel von der eigentlichen Arbeit ab. Stattdessen müssen wir unter Zeitdruck und sehr akut sämtliche Probleme lösen, die darüber entscheiden, ob sie hierbleiben können oder nicht”, so Andreas Höll.

Das hat auch direkte Folgen für die therapeutische Arbeit. Denn Psychotherapie braucht vor allem eines: Stabilität. Sie kann nur wirken, wenn ein Mensch weiß, dass er morgen noch da ist, dass sein Alltag eine gewisse Verlässlichkeit hat. Solange Abschiebung droht, solange der Aufenthalt täglich auf dem Spiel steht, ist eine tiefergehende Aufarbeitung von Traumata kaum möglich. Somit schafft die Soziale Arbeit die Grundlage, auf der Genesung überhaupt beginnen kann. Sie ist kein ergänzendes Angebot – sie ist das FundamentDoch genau dieses Fundament ist jetzt akut gefährdet: Aktuell stehen wir vor der Herausforderung, dass Fördermittelanträge stark verzögert, massiv gekürzt oder gar nicht bewilligt werden. Somit wissen wir nicht, welche Angebote der sozialarbeiterischen Begleitung und Beratung in unserer Kinder- und Jugendabteilung wir perspektivisch aufrechterhalten können. Schlimmstenfalls müssen wir einige davon einstellen oder zumindest deutlich herunterfahren und können dann nur noch sehr eingeschränkt für Kinder und Jugendliche in ihren verletzlichsten Momenten da sein.

Seit über 30 Jahren begleiten wir im Zentrum ÜBERLEBEN geflüchtete Menschen, die Unsägliches erlebt haben. Wir wissen, dass Genesung möglich ist. Aber sie braucht Zeit, Verlässlichkeit und einen geschützten Ort zur Aufarbeitung. Ohne das Fundament der Sozialen Arbeit bleibt sie unerreichbar.

Bitte helfen Sie uns, diese wichtige Begleitung aufrechtzuerhalten. Mit Ihrer Spende schaffen wir gemeinsam auch weiterhin einen sicheren Raum für Kinder wie Noura, in dem durch umfassende sozialarbeiterische und psychotherapeutische Unterstützung Genesung möglich wird.

Vielen Dank für Ihr Engagement!
Ihr Team des Zentrum ÜBERLEBEN