Internationaler Tag gegen Homophobie, Biphobie, Interphobie und Transphobie

Mai 2026

Homosexualität wird in vielen Ländern weiterhin kriminalisiert, in sieben Ländern droht sogar die Todesstrafe auf einvernehmliche sexuelle Handlungen zwischen gleichgeschlechtlichen Personen. Auch die rechtliche Anerkennung einer Anpassung der geschlechtlichen Identität ist weltweit sehr unterschiedlich und in vielen Ländern gänzlich ausgeschlossen. [1] Für viele Betroffene ist die Flucht der einzige Weg, frei und sicher zu leben.

Zum Internationalen Tag gegen Homophobie, Biphobie, Interphobie und Transphobie (IDAHOBIT) am 17. Mai solidarisieren wir, das Zentrum ÜBERLEBEN, uns mit allen Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität Diskriminierung erfahren müssen.

„Abgesehen von der strengen Gesetzeslage, die in vielen Ländern eine Haftstrafe oder sogar die Todesstrafe für queere Menschen vorsieht, erleben die betroffenen Personen auch Diskriminierung und Gewalt in viel kleinerem Rahmen – innerhalb der Familie, durch Nachbar:innen, in der Schule, bei der Arbeit oder im öffentlichen Raum. Sich nicht outen zu können oder angefeindet zu werden in Bezug auf die sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität, kann extrem belastend sein. Hieraus können Depressionen, Angst, soziale Isolation und Einsamkeit entstehen. Betroffene Menschen fühlen sich hilflos und können suizidale Krisen erleben.“ – Katrin Boztepe, Psychotherapeutin in der Erwachsenenambulanz des Zentrum ÜBERLEBEN.

In solch einem feindlichen Umfeld bleibt queeren Menschen oft kein großer Handlungsspielraum: Sie müssen sich entscheiden zwischen einem Leben, in dem sie ihre sexuelle Orientierung und/oder geschlechtliche Identität permanent verstecken müssen oder der Flucht in ein anderes Land. Wobei die Ankunft in sicheren Ländern wie Deutschland nicht unbedingt ein Ende der Diskriminierung bedeutet.

„Flucht kann natürlich ein Ausweg sein, um das eigene Leben zu schützen. Trotzdem, auch wenn wir in Deutschland zum Beispiel die ‚Ehe für alle‘ haben und laut Grundgesetz alle Menschen gleich sind, wäre es ein Irrglaube anzunehmen, dass queere Geflüchtete in Deutschland ausschließlich Freiheiten gewinnen. Natürlich gibt es weitestgehend gesetzlich verankerten Schutz für diese Personen, aber leider machen queere Personen immer wieder die Erfahrung, dass diese Gesetze nicht gewahrt werden. Entweder von einzelnen Personen, oder manchmal auch ganzen Institutionen“, mahnt Katrin Boztepe.

In nicht-queeren Gemeinschaftsunterkünften sind betroffene Personen oft zusätzlichen Risiken ausgesetzt. Darüber hinaus erfahren geflüchtete Menschen in Deutschland andere Formen der Diskriminierung und Benachteiligung wie Rassismus, Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt und ein erschwerter Zugang zu medizinischer Versorgung. Die Angst aufgrund der Unsicherheit des Aufenthaltsstatus steht einer Aufarbeitung der Vergangenheit erschwerend im Weg.

Unser Ziel im Zentrum ÜBERLEBEN ist es, Wege in eine menschenwürdige Zukunft zu öffnen. Wir wollen einen Safe Space für alle Menschen schaffen – unabhängig ihrer Herkunft, geschlechtlichen Identität, sexuellen Orientierung oder anderen Merkmalen. Deswegen ist es uns wichtig, zum IDAHOBIT ein Zeichen zu setzen und uns für die Rechte der betroffenen queeren Menschen starkzumachen.