Nachruf zum Tod von Bernhard Döveling

Dezember 2023

Am 6. Dezember 2023 ist der Mitbegründer des Behandlungszentrums für Folteropfer (BZFO)* Bernhard Döveling im Alter von 80 Jahren verstorben.

Man kann mit Fug und Recht sagen: ohne ihn gäbe es das BZFO, das Zentrum Überleben nicht. Als der Gründerkreis Anfang 1990 auf die Suche nach Unterstützern und Förderern des geplanten Projektes Behandlungszentrum ging, erntete man zunächst vor allem Schulterklopfen. Bernhard Döveling, damals Abteilungsleiter beim DRK-Generalsekretariat, fing schon nach dem ersten Gespräch Feuer für das Projekt und es gelang ihm, über den damaligen Präsidenten des DRK, Prinz zu Sayn-Wittgenstein eine Förderung durch das Bundesfamilienministerium zu erwirken, die bis heute anhält. Von Hause aus Sozialpädagoge kannte Bernhard Döveling als Rotkreuz-Funktionär das für den Neuling unüberschaubare Netz von Verbänden und Politik, Förderanträgen und Haushaltsrecht wie seine Westentasche. Er war unser wichtigster Ratgeber und Lotse in diesem Labyrinth. Als Stratege mit außerordentlichem Verhandlungsgeschick und Überzeugungskraft fand er in scheinbar aussichtslosen Situationen immer einen Weg. Als uns eines Tages ein amtlicher Bescheid ins Haus flatterte, dass die Förderung des BZFO nicht den Haushaltsrichtlinien entspreche und deshalb einzustellen sei, lief er zu Hochform auf und das Desaster konnte abgewendet werden. Auf dem Höhepunkt eines eskalierenden Personalkonfliktes gelang mit seiner Hilfe eine friedensstiftende Lösung. Dabei kamen seine menschlichen Qualitäten zur Geltung: Er verband rheinische Frohnatur und Großherzigkeit mit Durchsetzungsvermögen und er war ein Vollblut-Sozialpolitiker aus tiefer christlicher Überzeugung, absolut integer und zuverlässig. Im Oktober 2010 ist er aus allen Ämtern – Schatzmeister des Vereins BZFO sowie Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Überleben – ausgeschieden.

Als bescheidener Mensch begnügte Bernhard Döveling sich damit, im Hintergrund zu wirken und die Bühne seinen Vorgesetzten zu überlassen. Soweit es in unserer Macht stand, haben wir dem entgegengewirkt: Ihn bei der Fünf-Jahr-Feier des BZFO vor der versammelten Prominenz, darunter Altbundespräsident von Weizsäcker, auf die Bühne geholt; daran mitgewirkt, dass er das Bundesverdienstkreuz erhielt; und ihn in die Festschrift zum 25-jährigen Bestehen des BZFO mit einem Grußwort aufgenommen.

Ich persönlich verdanke ihm sehr viel und habe Dinge von ihm gelernt, die man in keiner Universität, in keinem Fortbildungsseminar und aus keinem Buch lernen kann.

Verfasser des Nachrufs
Christian Pross

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* Die Zentrum ÜBERLEBEN gGmbH führt seit 2016 die operative Arbeit des 1992 gegründeten Behandlungszentrum für Folteropfer e.V. fort.