Carsten Völz, ZÜ-Geschäftsführer (l.), Sybill Schulz, Leiterin der Koordinierungsgruppe Flüchtlingsmanagement (m.) und Integrationssenatorin Elke Breitenbach (r.)

Integrationssenatorin Elke Breitenbach im Zentrum ÜBERLEBEN

Zentrum Überleben erhofft stärkere Unterstützung

Einen produktiven Austausch hatte Geschäftsführer Carsten Völz mit Elke Breitenbach, der Berliner Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, bei ihrem Besuch im Zentrum ÜBERLEBE (ZÜ) am 6. Februar 2020. Die Senatorin und ihre Mitarbeiterinnen hatten sich erfreulicherweise viel Zeit genommen, um Einblicke in die Tagesklinik und die Ambulanzen zu gewinnen. Dabei sprachen sie mit den Mitarbeitenden aus den Bereichen Rehabilitation, Therapie und Integration. Aus dem Ressort von Elke Breitenbach bezieht das ZÜ einen großen Teil seiner Mittel.

Geschäftsführer Carsten Völz betonte, dass er die gute Zusammenarbeit intensivieren möchte und machte deutlich, wie groß der Bedarf an Behandlung und Beratung von Folterüberlebenden und traumatisierten Geflüchteten sei. Er erläuterte dabei auch die Arbeit und den Ausbau der ZÜ-Fachstelle beim Berliner Netzwerk für besonders schutzbedürftige geflüchtete Menschen (BNS) und die administrativen Hindernisse, die damit verknüpft sind.

Im BNS, das vom ZÜ koordiniert wird, sind sechs Fachstellen zusammengeschlossen. Seit 2008 sind sie jeweils Anlaufstellen für (unbegleitete) Minderjährige, Menschen mit Behinderung, Menschen mit schweren körperlichen oder psychischen Erkrankungen, Schwangere, Alleinerziehende, Opfer von Menschenhandel, Folter oder psychischer, physischer und sexueller Gewalt, ältere Menschen sowie für LSBTTIQ-Geflüchtete (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender). Mit einem dreistufigen Verfahren zur Ermittlung, Feststellung und Versorgung besonders schutzbedürftiger Geflüchteter wird die EU-Aufnahmerichtlinie von 2013 umgesetzt. Das BNS in Berlin ist bundesweit einmalig.

Durch den Beschluss des Senats in 2019 wird die BNS-Fachstelle für psychisch erkrankte und traumatisierte Geflüchtete im ZÜ ausgebaut. Das ist eine vielversprechende Entwicklung und es werden bereits neue Mitarbeitende eingestellt. In unserer Fachstelle nutzen Therapeut*innen diagnostische Verfahren, um die Schutzbedürftigkeit von Geflüchteten einzuschätzen und gegebenenfalls zu bescheinigen. Sie versuchen dann, eine Behandlung in der Regelversorgung zu organisieren, was durch den Mangel an Angeboten mit monatelangen Wartezeiten für die Betroffenen verbunden ist. Durch Sozialarbeiter*innen finden integrative Beratungen statt. Carsten Völz machte die Senatorin darauf aufmerksam, dass durch die spezifische Zuwendungsform der Fehlbedarfsfinanzierung das ZÜ und auch die anderen Fachstellen des BNS-Netzwerkes Abrechnungsprobleme hätten, die die effiziente Projektdurchführung sehr erschweren würden.

Darüber hinaus wurde über den Bedarf eines noch frühzeitigeren Screenings nach der Ankunft von Geflüchteten gesprochen, damit Menschen mit einer spezifischen Schutzbedürftigkeit nicht durchs Netzt fallen und spezifisch versorgt sowie untergebracht werden. Die Errichtung einer neuen Stelle ist aktuell ausgeschrieben. Das Zentrum ÜBERLEBEN sieht darin die Chance, dass Fachkräfte mit einer ersten Einschätzung Geflüchtete unverzüglich an die BNS-Fachstellen verweisen können. Es erhofft sich eine aktive Unterstützung von Seiten des Senats, damit das ZÜ diese Aufgabe angesichts der jahrelangen Expertise unter vertretbaren Konditionen übernehmen könne. Völz: „Das Abgeordnetenhaus hat im letzten Jahr beschlossen, die Tätigkeit des BNS auszubauen und damit auch die frühzeitige Feststellung psychischer Erkrankungen zu sichern. Die Umsetzung muss jetzt schnell erfolgen.“

Dank der Beschlüsse des Berliner Abgeordnetenhauses kämen mehr Aufgaben auf das ZÜ zu, das bereits jetzt mit einer massiven Raumnot kämpft, sagte Carsten Völz. Er bat Senatorin Elke Breitenbach, sich insbesondere gegenüber der Berliner Immobilienmanagement GmbH zu engagieren und die Prioritäten deutlich zu machen. Wenn es nicht zeitnah Angebote an passenden Mietobjekten gäbe, sei das Zentrum ÜBERLEBEN mit untragbaren Zuständen konfrontiert, die die Arbeit und die Versorgung der Patient*innen und Klient*innen einschränken würde.

 

Foto: Zentrum ÜBERLEBEN