Fallgeschichte

Ein Stück Normalität in einer Zeit großer Belastung

Esat* lebt mit seiner kleinen Familie seit über einem Jahr in einem Berliner Wohnheim für Geflüchtete. Der junge Vater leidet unter starken Depressionen und kam deshalb zur Behandlung ins Zentrum ÜBERLEBEN (ZÜ). Durch die regelmäßigen Termine mit seiner Therapeutin und einer unserer Sozialarbeiterinnen konnte Esat wieder Zuversicht gewinnen und wollte in naher Zukunft eine Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau beginnen. Die Coronakrise hat ihm diesen Halt jedoch genommen. Therapiegespräche können nur noch telefonisch fortgeführt werden und auch die Einstellung neuer Mitarbeiter wird aktuell in den meisten Betrieben auf Eis gelegt. Zudem fallen weitere stabilisierende Elemente, wie der Deutschkurs und die regelmäßigen Treffen mit einer befreundeten Familie aufgrund der weitgehenden Kontaktbeschränkungen, weg.

Die Coronakrise führt zur Verstärkung von depressiven Symptomen

In dieser Situation fällt es Esat zunehmend schwerer, seinem Tag eine Struktur zu geben und seinem Sohn Adil* die benötigte Aufmerksamkeit und Zuwendung zu schenken. Auch von seiner Frau Hanadi* wendet er sich zunehmend ab , da er sie nicht mit seinen Problemen belasten möchte. Er sieht keinen Sinn mehr darin, morgens aufzustehen und hat stets Angst davor, sich und seine Familie zu gefährden – sei es bei der Benutzung der gemeinsamen Waschräume im beengten Wohnheim oder bei den Spaziergängen, bei denen er versucht, seine Gedanken besser zu ordnen.

Bei einem dieser Spaziergänge ruft ihn schließlich seine Therapeutin an und Esat schildert seine zunehmend belastende Situation und seine Gefühle der Ohnmacht und Ausweglosigkeit. Im Gespräch erfährt Esat, dass die Ansteckungsrate in Deutschland in der Zwischenzeit wieder deutlich zurückgegangen ist und damit weitgehende Lockerungen ermöglicht wurden. Er kann nun mit seinem Sohn wieder sorgenfreier den Spielplatz benutzen oder auch einen Familienausflug in den Park unternehmen. Außerdem wird Esat geraten, beim nächsten Termin mit seiner Sozialarbeiterin gemeinsam einen Lernplan für den digitalen Deutschkurs aufzustellen und einen Termin zur Berufsberatung zu vereinbaren. Dort solle er prüfen, ob auch eine andere Berufswahl für ihn in Frage kommt. Dieses Telefonat beendet Esat mit einem Gefühl der Erleichterung – endlich hat er wieder konkrete Aufgaben und Ideen, wie es weitergehen kann.

Ein Paket vom Zentrum ÜBERLEBEN schenkt neue Kraft

Einige Tage später wird Esat ins Büro der Wohnheimverwaltung gerufen. Es wartet dort ein Paket aus dem Zentrum ÜBERLEBEN auf ihn. Verwundert darüber, dass es nicht nur ein weiterer Brief von Ämtern und Behörden ist, öffnet er das Paket und findet liebevoll zusammengestellte Kleinigkeiten für sich und seine Familie darin: ein Puzzle und Malfarben für den kleinen Adil, Arbeitsblätter für den Deutschunterricht, einen Stadtplan, in dem umliegende Parks und Spielplätze eingezeichnet sind, etwas Wolle für seine Frau zum Stricken und Stoffmasken, um die Familie bei ihren Freizeitaktivitäten besser schützen zu können. Aufgeregt zeigt er seiner Frau Hanadi den kleinen Schatz in der Pappkiste. Gemeinsam rufen sie beim ZÜ an und bedanken sich überglücklich, dass sich das Team dort so viele Gedanken und Mühe für die kleine Familie gemacht hat. Die Geschenke für ihren Sohn kamen gerade rechtzeitig eine Woche vor seinem zweiten Geburtstag an, sodass sie diesen nun auch gebührend feiern können. Am meisten hatte sich Esat jedoch über eine Tüte Blumensamen gefreut. Diese kam zusammen mit einer Einladung zu einem Treffen im Heilgarten des ZÜ, um dort neue Blumenbeete anzulegen – selbstverständlich unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen. Esat ist nun zuversichtlich, dass dies der Beginn seines Weges zurück in die Normalität ist und hat wieder die Kraft, den Deutschkurs fortzusetzen und Bewerbungen zu schreiben.

→  Helfen Sie, Patient*innen wie Esat wieder Halt und Sicherheit zu geben – mit einer Spende unter dem Stichwort: ZUE NL-6

 

.SPENDENKONTO
Zentrum ÜBERLEBEN gGmbH

IBAN: DE82 1002 0500 0001 5048 00
BIC: BFSWDE33BER
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*anonymisierte Fallgeschichte
Foto: Mehmet Dilsiz/shutterstock