Kurzinterview

„Das Publikum mitnehmen, überzeugen, animieren“

Prof. Dr. Peter Raue engagiert sich zum 20. Mal als ehrenamtlicher Auktionator für das Zentrum ÜBERLEBEN. In diesem Jahr übergibt er die Auktion in neue Hände – Zeit für einen Rückblick auf zwei Jahrzehnte Charity mit Witz, Charme und Erfolg. 

Warum haben Sie die Auktionen für das Zentrum ÜBERLEBEN mit aller Leidenschaft über 20 Jahre übernommen? Macht Ihnen dies auch Spaß?

Ich habe immer wieder in Berlin bei Charity-Anlässen die Rolle des Auktionators übernommen, insbesondere im Verein der Freunde der Nationalgalerie. Dort haben wir mit Kunstauktionen Geld eingesammelt, etwa für den Erwerb von Barnett Newmans „Who is afraid?“-Jahrhunderwerk oder den Skatspieler von Otto Dix. Vor 30 Jahren waren die von Klaus Biesenbach gegründeten „Kunstwerke“ finanziell am Ende. Um das abzuwenden half eine Auktion, auch dort war ich tätig. Als der Geschäftsführer vom Zentrum ÜBERLEBEN (damals noch Behandlungszentrum für Folteropfer) auf mich zukam mit der Bitte die Auktion zu übernehmen, habe ich das gerne getan. Und ich verrate Ihnen das Geheimnis: Es macht mir wirklich Spaß, mit den Menschen während einer Auktion zu kommunizieren, über die Künstlerinnen und Künstler, deren Arbeiten ich anbieten kann, etwas zu erzählen, ein bisschen auch den mäzenischen Geist der Anwesenden zu appellieren.

Was ist das ganz Besondere an dieser Auktion? Unterscheidet sie sich von professionellen Auktionen? Sind die Arbeiten, die in der Auktion eingeliefert werden, erstklassig? Ist das Publikum kunstinteressiert oder charitygetrieben?

Der Unterschied zwischen professioneller und Charity-Auktion kann größer gar nicht sein. Während der professionelle Auktionator sich jeder Anpreisung der Arbeit, jeder Information über die Bedeutung des Künstlers oder des Kunstwerkes enthält, vielmehr das Werk aufruft und die Gebote entgegennimmt, will eine Charity-Auktion das Publikum mitnehmen, überzeugen, animieren. Naturgemäß sind nicht alle Werke, die auf einer Charity-Auktion angeboten „erstklassig“, – aber was ist das eigentlich für ein Kriterium? Alle Arbeiten, die von den Künstlerinnen und Künstlern zur Verfügung gestellt werden, sind von denen mit Herzblut geschaffen und deshalb gut. Sie wollen etwas erzählen, das Kunstwerk dem Publikum nahe bringen, dessen Story – heute würde man sagen: dieses Narrativ – zu vermitteln, ist die Aufgabe des Charity-Auktionators.

Hat sich das Auktionsgeschehen in den zwei Jahrzenten verändert?

Nicht grundsätzlich: Der erste Adventsonntag ist bei vielen, die zu der Auktion kommen, in den Kalender eingeschrieben. So trifft man immer wieder auf einen Großteil des Publikums, das man aus den Vorjahren kennt. Das schafft Nähe, gibt dem Auktionator auch die Möglichkeit, auf die Wünsche des teilweise ja bekannten Publikums einzugehen. Hier hat Dauer und Kontinuität sicher den Vorteil, dass diejenigen, die mitbieten nicht nur mitbieten, um Kunst ins eigene Haus zu holen, sondern in der Erkenntnis, dass das Zentrum ÜBERLEBEN Elend mindert, Menschen hilft. Vielleicht ist ja in der Adventszeit die Hilfsbereitschaft der Menschen etwas größer als – sagen wir – im Karneval.

Sie hören nach der 20. Auktion auf, warum? Wissen Sie, wie es weitergeht?

Ich halte es für richtig, mit 80 Jahren die Auktion an Jüngere abzugeben, die eine andere Sprache sprechen, die ein junges Publikum anziehen, vielleicht auch mit den neuen Kommunikationsformen – digitale Kunst sei das Stichwort – besser umgehen können. Ich habe keinen Zweifel: Es wird weitergehen, der Erfolg und die Notwendigkeit des Erfolges werden nicht nachlassen. Ich habe nur die Hoffnung, dass die Kunstauktionen in Zukunft real stattfinden – während eine professionelle Auktion auch sehr gut über die digitale Bühne gehen kann, lebt eine Chartiy-Auktion von dem Gemeinschaftserlebnis, von dem Dialog zwischen Auktionator und Publikum: Das lässt sich digital nicht herstellen.

 

> Mehr Informationen zur Kunstauktion finden Sie auf der Auktionswebsite: www.ueberleben-charity.org